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7. Warum läßt Gott das zu?

8. Hat Beten Zweck?

9. Kann man über Gott Gewißheit haben?

7.Warum läßt Gott das zu?

1.) Das ist zunächst eine Frage nach der Untätigkeit Gottes:

Mit dieser Frage wird Gott Untätigkeit vorgeworfen.

Warum greifst du nicht ein?

Wo bleibt dein Gericht?

Die Antwort ist einfach:

Gott hat Geduld und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß jeder umkehrt. (2.Petr 3,9)

Wenn Gott sofort richtend eingriffe, gäbe es die Menschen und die Welt nicht mehr.

2.) Sodann ist es eine Frage nach der Gerechtigkeit Gottes:

Warum läßt Gott das Grausame, die Kriege, das Morden, das Böse in der Welt zu?

Wie verträgt sich das alles mit der Liebe Gottes?

Wie grausam ist der liebe Gott?

Pastor Wilhelm Busch erzählte eine Begebenheit, die sich nach dem Krieg in Essen zutrug. Angesichts der Ruinen, der Toten unter den Trümmern, des Hungers und der Arbeitslosigkeit schrie ein Bergwerkskumpel:

Hinweg mit diesem Gott, der den Krieg und soviel Schreckliches nicht verhindert hat!

Pastor Busch stimmte ihm überraschend zu:

Hinweg mit diesem Gott, der sich von Menschen auf die Anklagebank setzen läßt und den der Mensch anpöbeln kann! Hinweg mit diesem Gott, der für die Schuld der Menschen verantwortlich gemacht wird, der für das Tun der Menschen herhalten muß!

Busch wies dann auf den wahren, heiligen Gott hin, der den Menschen auf die Anklagebank setzt und ihn fragt:

Mensch, was hast du getan?

Mit der Frage nach der Gerechtigkeit Gottes maßt sich der Mensch Richterfunktion über Gott an. Im Römer-Brief, 9,20 steht:

Mensch, wer bist du denn, daß du mit Gott rechten willst?
Hat einer Lust, mit Gott zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. (Hiob 9,3)

Für die eigene Schuld will der Mensch Gott verantwortlich machen. Wer hat denn die Kriege gemacht? Wer bringt unsagbares Leid über die Erde? Wer schreibt eine blutrote Geschichte? Das ist doch der Mensch und nicht Gott! Gott läßt das Böse und antigöttliche ausreifen, bis es als solches erkannt wird. und dann, wenn Gottes Stunde gekommen ist, müssen Menschen und Machthaber ihren Offenbarungseid ablegen. Was im Widerspruch zu Gott lebt, muß die Maske ablegen, damit die Hohlheit des Systems offenbar wird. Gott ist gerecht, denn der Mensch muß ernten, was er gesät hat!


3.) Mit dieser Frage nach der Gerechtigkeit Gottes hängt die Frage nach dem Verdienst zusammen:

Womit habe ich das verdient?

Wie kann Gott Böses und Schweres in meinem Leben zulassen, wenn ich ihm doch diene, Gutes tue und doch fromm bin?

Hier rechnet man seine Verdienste vor Gott auf und erwartet, daß Gott das belohnt. Mit dieser Verdienstfrage verrät man, daß die innere Beziehung zu Gott einem Dienstverhältnis gleicht. Der Religiöse betrachtet sein Frommsein als eine Soll-Erfüllung. Er will sich bei Gott etwas erarbeiten, das Gott honorieren muß.

Christen aber stehen nicht in einem Knechtverhältnis zu Gott, sondern in einer Kindesstellung. Kinder leben nicht vom Soll, sondern vom Haben. Ein Leistungsverhältnis läßt an Gott irre werden, aber ein Kindesverhältnis rechnet mit der steten Liebe und den unbegrenzten Möglichkeiten des göttlichen Vaters!


4.) Mit der Frage, warum läßt Gott das zu, wird die Frage nach den Erfahrungen mit Gott gestellt:

Wolfgang Borchert schrieb 1947 ein Theaterstück:

Draußen vor der Tür. Ein verwundeter Heimkehrer kommt nach Hause. Seine Frau lebt mit einem anderen zusammen; sein einziges Kind kam bei einem Bombenangriff ums Leben; seine Eltern begingen wegen ihrer Nazi-Vergangenheit Selbstmord. Er selbst steht draußen vor seiner Haustür - und nun ist sein Zuhause draußen vor der Tür!

Unter der Last seiner Erlebnisse ist auch sein Gottesbild zerbrochen. Gott erscheint ihm wie ein alter, ohnmächtiger Mann. Er fragt sich, wozu er lebt? Das Stück endet mit dem Ruf:

Wo ist denn der alte Mann, der sich Gott nennt? Warum redet er denn nicht? Gibt denn keiner Antwort?

Das Bild, das sich jener Heimkehrer von Gott gemacht hat, war dem Härtetest des Lebens nicht gewachsen. Das Bild von einem Gott, der immer lieb sein müßte, zerbricht im Ernstfall. Leider läßt uns Borchert in seinem Schauspiel nicht wissen, welche Rolle Gott vorher im Leben jenes Heimkehrers gespielt hat. Wer vorher Gott verachtete, wem Gott gleichgültig war und wer ihn einen guten, alten Mann sein ließ, muß sich nicht wundern, daß ihn ein solcher Gott im Stich läßt. Vordergründig mag mann Mitleid mit dem Heimkehrer haben - aber sind uns die Hintergründe bekannt? Ein vorschnelles Urteil über Gottes unbegreifliches Handeln ist unangebracht, wenn uns die Zusammenhänge verborgen sind.

Die Bibel gibt auf solche Fragen Antwort:

So spricht der Herr: Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen. (Ps 50,15)

Der Mensch in seiner Not wird eingeladen, an der Tür Gottes anzuklopfen, um seine Hilfe zu erbitten. Und Gott versagt keinem, der ihn bittet, seine Hilfe! - Und wenn jemand betend nicht mehr bei Gott anzuklopfen vermag, dann steht Gott vor seiner Tür und klopft an. Er erwartet, daß wir seine Stimme in seinem Wort hören:

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und mir die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Tischgemeinschaft mit ihm haben, spricht der Herr. (Offb 3,20)

Martin Buber, der jüdische Religionsphilosoph (1878-1965) schrieb:

Wo Gott wohnt, wird es hell - und Gott wohnt, wo man ihn einläßt.


5.) Nun die Frage nach dem Schicksal:

Warum läßt Gott das zu? Wer in dieser Frage Gott streicht, der muß von einem Schicksaal sprechen, das blind zuschlägt.

Wir fragen: Steht hinter dem menschlichen Ergehen ein blinder Zufall oder eine Sinn gebende Macht? Sind die Ereignisse, die uns widerfahren, Schicksal, Zufälligkeiten, Sternkonstelationen? Sind Menschen anonymen Mächten ausgeliefert?

Unter Schicksal versteht man etwas Unabänderliches, ein höheres Geschick, das über einem verhängt ist. Schicksal kann mit Kismet zu tun haben, mit einer Vorherbestimmung, mit einem Verhängnis, einem Fluch. Durch Sterndeuterei, die Gott streng verboten hat, sucht man das vermeintliche Verhängnis zu ergründen.

Wer den Gott der Bibel ausklammert, muß allerdings von einer anonymen Macht sprechen, von einer überirdischenFernsteuerung, von einem blind wütenden Schicksalsspiel.

Hitler sprach von einer Vorsehung, deren Befehle er ausführen muß. es gibt widergöttliche Mächte, durch deren Verbindung der Mensch angstvoll unter der Grausamkeit launischer Schicksalsgötter leben muß.

Für Christen ist nicht das Schicksal, sondern das Evangelium letzte Wirklichkeit. Christen sind durch Jesus Christus von allen Mächten erlöst - diese haben keinerlei Rechte oder Gewalt über sie, weil der Herr Jesus sie besiegt hat.

Niemand kann sie aus meiner Hand reißen! sagte Jesus. (Joh 10,28)
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, bezeugte Paulus. (Röm 8,32-39)

An der Seite dessen, dem alle Macht und Gewalt in den Himmeln und auf der Erde gegeben ist, stehen Christen nicht unter einem Schicksal, sondern unter der Führung ihres Herrn.

Der Ewige ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er führet mich. Auch im Tal des Todesschatten fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir! (Psalm 23)


6.) Zuletzt die Frage nach der persönlichen Führung:

Warum läßt Gott im Leben seiner Kinder Unbegreifliches zu? Krankheit, frühes Sterben, Schwierigkeiten? Gottes Handeln erscheint böse und strafend. Christen leiden manchmal unter Gott. Der eine wird bewahrt, der andere scheinbar nicht. Kann man nicht an Gottes Handeln irre werden?

Die Frage geht weiter: Ist Krankheit oder ein Unglück Strafe für irgendeine Schuld? Gibt es einen Fluchzusammenhang zwischen Schuld und Krankheit?

Antworten: Wer seinen Körper bewußt ruiniert, der hat die Folgen zu tragen. Das Verhältnis aber von Schuld und Strafe hat Jesus am Kreuz durchbrochen:

Fürwahr, Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen - die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jes 53,4-5)

Wenn der Herr Jesus meine Schuld und Strafe getragen hat - wer gibt mir das Recht, in der Krankheit, im Unglück, das mich trifft, Gottes Gericht zu sehen? Ein Christ steht nicht mehr unter dem Fallgesetz von Sünde und Strafe, sondern unter der Erlösung Jesu, die am Kreuz vollbracht ist. Seine Vergebung umfaßt meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Ein Kind Gottes steht nicht unter dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Es lebt in dieser Welt und ist antastbar und leiblich verletzbar - es kann krank werden und muß wie alle sterben. Aber Krankheit und sterben im Leben eines Christen stehen unter der Siegesmacht Jesu. Auch mit dem Sterben muß keiner mehr selbst fertig werden, denn es ist bereits bewältigt: Der Glaube lebt von der bewältigten Not, dem besiegten Tod.

Warum gibt es soviel Unbegreifliches? Müssen wir Gott eigentlich immer verstehen? Gott ist doch souverän in seinem Handeln! Ist Gott uns Rechenschaft schuldig?

Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du? (Jes 45,9)

Hat nicht der Töpfer das Recht, sein Gefäß zu formen, wie er es will? Wir haben oft die Vorstellung, Gott müsse so handeln, wie wir es erwarten. Dabei geht es vorrangig um unser Wohlergehen, um unsere Ehre, um die Erfüllung unserer Wünsche.

Der Apostel Paulus bezeugte:

Wir aber wissen, daß alle Dinge denen zum Besten dienen, die Gott lieb haben. (Röm 8,28)

Alles im Leben, ohne Ausnahme, auch das Schwere, hat Dienstcharakter. Die Not macht nicht kaputt, die Not dient!

Schwierige Menschen und Verhältnisse, unverständliche Führungen oder schwere Aufgaben, eigenes oder fremdes Leid sind oft Mittel, die eigene Überheblichkeit, die Empfindlichkeit, das Rechthabenwollen aufzuzeigen. Gott ordnet Dinge in das Leben seiner Leute, um sie reifen zu lassen, um es fruchtbar zu machen.

Gott muß erst viel Gutes nehmen, um uns das Beste geben zu können.

Wenn die Dinge, die Gott zuläßt, ihre Aufgabe erfüllt haben, nimmt sie Gott weg.

Das Ziel, das Gott mit den Seinen verfolgt, ist ihren eigenen Zielen übergeordnet. Darum macht Gott keine Fehler im Leben seiner Leute. Rückblickend werden Christen immer wieder staunend festhalten: Gott hat sich nicht vertan! Ich möchte diese Wegabschnitte nicht missen.

Die Dichterin Käthe Walter schrieb:

Was auch immer uns begegnet,

ob wir vieles nicht verstehn -

gib, daß auch das Leid uns segnet

und wir deine Liebe sehn.

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8. Hat Beten Zweck?

Beten ist kein Selbstgespräch, keine Meditation, kein Reden ins Blaue. Der Beter hat ein reales Gegenüber, eine Person: Gott selber, der ihn sieht, ihm zuhöhrt, und mit dem er spricht. Wo der Name Gottes genannt wird, wo man ihn anruft, da ist er nach seinem Versprechen selbst gegenwärtig: für unsere Augen unsichtbar, denn wir können jetzt nur Vergängliches sehen. Die Bibel stellt den Beter in die Gegenwart Gottes!

Gebet ist Ausdruck des persönlichen, vertrauten Umgangs mit dem himmlischen Vater.

Laß dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, Herr mein Fels und mein Erlöser. (Ps 19,15)

Im Gebet treten Menschen vor das Angesicht des heiligen Gottes. Gott sieht ins Herz, und erwartet Aufrichtigkeit, Vertrauen, Hör- und Vergebungsbereitschaft.

Der Beter nimmt sich Zeit für das Beten; im Gebet dürfen wir vor Gott unser Herz ausschütten, ihn bitten, ihm danken und ihn anbeten. - Im Gebet spricht Gott durch das Wort der Bibel zu uns: Er ermutigt, vergibt, stärkt, hilft und gibt Weisungen.

Die Eckdaten dieser Welt und des einzelnen Lebens sind:

Ratlosigkeit - Sinnkrise - Orientierungsmangel - Angst!

Im Gebet erfährt der Beter, daß Gott demgegenüber das Gegengewicht setzt:

Fürchte dich nicht - ich bin der Erste und der Letzte - der Allmächtige - spricht der Herr, der allem Überlegene und der allen Ereignissen deines Lebens gewachsen ist. (Offbr 1)

Menschen, die beten, können anderen raten, das Richtige zu tun. -

Nun gibt es ein erstes Mißverständnis: Man meint, Gott sei nur dazu da, aus Verlegenheiten zu helfen und Wünsche zu erfüllen.

Gott ist dann nur ein Erfüllungsgehilfe, ein Nothelfer. Man meint, Beten habe nur dann einen Sinn, wenn Gott so funktioniert, wie man es sich vorstellt. - Gott aber ist nicht unser Laufbursche oder unser Wundertäter, der sich mit einem Gebetsvertrag anstellen ließe.

Grundsätzlich gilt: Gott will, daß wir ihn bitten, daß wir ihn in der Not anrufen. Jesus sagte:

Bittet, so wird er euch geben. (so wörtlich Mt 7,7)

Bittet den Vater in meinem Namen. (Joh 14,13 15,16)


Zwei Gebete erhört der Herr sofort: die Bitte um Annahme, das ist die Bitte, Gott anzugehören und die Bitte um Vergebung.

Der Her Jesus sagt die Gewährung jeder Bitte zu; wir müssen nur folgendes beachten:

a) Wir sollen den Vater in seinem Namen bitten, d.h. unter Berufung auf ihn (auf Jesus), in Übereinstimmung mit ihm (mit Jesus), in seinem Sinn. Gott will Gebete erhöhren, die in Übereinstimmung mit dem Willen Jesus gebetet werden. Unsere Bitten, unsere Wünsche dürfen und sollen wir aussprechen, sie sollen aber in den Willen Jesu eingebettet sein. In 1Joh 5,14 steht:

Und das ist die Zuversicht die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns.

Im Unser-Vater-Gebet sagen wir: Dein Wille geschehe!

Gottes Wille ist uns nicht immer einsichtig, aber er ist zu respektieren und letztlich ist sein Wille gut für uns, denn er hat die bessere Übersicht über unser Leben. Wir sollten unsere wünsche mit dem Herrn Jesus abstimmen; so erfahren unsere Bitten Korrektur.

b) Gott readiert auf jedes Gebet. Er gibt gutes denen, die ihn darum bitten. Das heißt nicht, daß er immer unsere Wünsche erfüllt.

Er wird Gutes geben. (Mt 7,11)

Das, was er gibt, ist gut für uns, und er wird es geben, wann er es für richtig hält. Luther schrieb einmal seinem Freund Melanchthon:

Geschieht nicht, was wir wollen, dann geschieht, was besser ist.

c) Manchmal nimmt Gott die Not, das Problem nicht sogleich weg; aber er wird in unserer Not bei uns sein. Seine Gegenwart ist mehr als seine äußere Hilfe. König David sang:

Wenn ich schon wandern müßte im Tal des Todesschatten, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. (Ps 23,4)

d) Und Gott setzt an die Stelle unserer Not seinen Namen. Dann haben die Dinge, die uns kaputt machen wollen, ihren Herrn bekommen.

Alle eure Sorgen werfet auf ihn - denn er sorgt für euch. (wörtlich weil ihm an euch liegt, 1Petr 5,7)

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. (Ps 138,3)

Gelobt sei der Herr, Tag für Tag, der für uns trägt. (so wörtlich Ps 68,20)

Nun zu einem 2. Mißverständnis: Es gibt eine fromme Methodik, die Gott in menschliche Paragraphen binden will. Martin Luther charakterisierte diese Gesetzesfrömmigkeit mit drei Worten:

Do, ut des=ich gebe, damit du gibst.

Da investieren also Menschen viele Gebete und fromme Werke und erwarten, das sich das auszahlt. Man meint, durch Gutsein bei Gott Eindruck zu machen und etwas bei ihm erreichen zu können.

Gott aber geht auf diesen frommen Kuhhandel nicht ein. Wer durch religiöse Leistungen bei Gott Gebetserhörungen erzwingen will, geht leer aus. Der Beter befindet sich in einem Teufelskreis: Wenn Gott seine Gebete nicht erhört, dann hat er noch zu wenig gebetet. Also: noch viel mehr Gebete und noch mehr Beter engagieren. Es ist gewiß richtig, Freunde zu haben, die mit beten und die die Not des anderen zum Gegenstand ihrer Fürbitte machen. Es ist richtig, mit anderen Gebetsgemeinschaft zu haben. Es ist aber falsch zu meinen, die Gebetsmenge, bestimmte Gebetsformeln und die Beterschar würden etwas bei Gott erreichen. Wenn das so wäre, dann würden Menschen und ihre Gebete die Probleme bewältigen und nicht Gott. Nicht das Gebet - also wir - sondern Gott selber bewältigt die Not! Im Gebet übergeben wir ihm unser Anliegen, und dann ist diese Sache nicht mehr unsere, sondern Gottes Sache. Keiner muß mit seinen Problemen selber fertig werden; das tut er.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen - Woher kommt mir Hilfe? Meine Rettung kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, bezeugt der Psalmbeter. (Ps 121,1-2)

Hat Beten Zweck? Viele beten: Herr, gib mir! Das Gebet dreht sich um Haben und Nichthaben; es erschöpft sich zwischen Wünschen und Empfangen. - Beten aber ist mehr: Im Gespräch mit dem Herrn geht es nicht um die Durchsetzung unserer Wünsche, sondern um Erkennen, wer und was Jesus für uns sein will! Dann betet der Beter nicht mehr nur:

Herr gib mir Gesundheit - sondern: Du bist meine Gesundheit.

Gib mir Frieden, Weisheit - sondern: Du bist mein Friede, meine Weisheit.

Wahres Gebet führt über das irdisch Erbetene hinaus - neben irdischen Gaben will Gott Menschen eine Kindschaft schenken. Dann bekommen wir nicht nur etwas von Gott, sondern können seine Kinder sein, die mit ihm leben. Kein Kind muß mit dem Schweren fertig werden - das tut sein Vater. Der himmlische Vater übernimmt die liebevolle Fürsorge für sein Kind.

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9. Kann man über Gott Gewißheit haben?

In C. Zuckmayers Bühnenstück "Des Teufels General" fragt der Fliegeroffizier seinen General Harras:

Ich will sie jetzt Fragen, Herr General - glauben sie an Gott?

Nach langer Pause antwortet Harras:

Ich weiß es nicht. Er ist mir nicht begegnet. Aber das lag an mir. Ich wollte ihm nicht begegnen. Er hätte mich vor Entscheidungen gestellt, denen ich ausweichen wollte.

Ich habe an das Erdenkbare und das Erkennbare geglaubt, an das, was manprüfen, entdecken, finden kann. Aber die größte Findung aller Zeiten habe ich nicht erkannt. Sie heißt: Gott!

Wir fordern Beweise, wenn wir etwas glauben sollen. Aber sind wir darin konsequent? Wir bezahlen die Fahrkarte, ohne die Tarife nachzuprüfen - kaufen den als reine Wolle deklarierten Mantel - tanken Benzin im Vertrauen auf die richtige Oktanzahl - nehmen Arzneien ein, ohne sie vorher auf die Richtigkeit ihrer Substanzen zu prüfen - wir lassen uns vom Chirugen vertrauensvoll operieren, ohne zu wissen, wer er ist und wie es ausgeht.

Wir verzichten auf Beweise, obwohl in der Welt vieles zweifelhaft und Schein ist - aber in Bezug auf Gott und Christus melden wir unsere Bedenken und unser Mißvertrauen an. Muß da nicht der Verdacht aufkommen, daß das Verlangen nach Beweisen Gottes nur Vorwand ist, weil man an Gott gar nicht glauben will?

Sören Kierkegaard sagte treffend:

Es gibt gar kein Nicht-Glauben-Können, sondern ein Nicht-Glauben-Wollen.

In unserem Willen steckt der Widerstand, nicht so sehr in unserem Verstand, der vieles für richtig hält, was er gar nicht nachprüfen kann.

Jener General Harras sagte:

Ich wollte ihm nicht begegnen - Er hätte mich vor Entscheidungen gestellt.

In der Bibel steht (1Joh 5,9-12 nachzulesen):

Wenn wir schon das Zeugnis von Menschen annehmen, so ist doch Gottes Zeugnis größer, der Zeugnis abgelegt hat von seinem Sohn.

Gott beweisen zu wollen ist absurd. Wie kann ein Geschöpf seinen Schöpfer irdisch beweisen wollen? Aber Gott selber tritt den Wahrheitsbeweis an. Er bezeugte sich in seinem Sohn Jesus. Die Gewißheit über Gott können wir nur über Jesus haben, denn niemand kann über Gott Zeugnis ablegen als nur er:

Niemand kennt den Sohn als nur der Vater, und niemand kennt den Vater, als nur der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will. (Mt 11,27)

Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer sich aber zum Sohn bekennt, der hat auch den Vater. (1Joh 2,23)

Augen- und Ohrenzeugen haben es übereinstimmend gehöhrt und gesehen, wie Gott seinen Sohn bezeugte:

Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören. (Mt 17,5 und 2Petr 1,16)

Und Zeugen schreiben:

Was wir gesehen, gehört und betastet haben, das verkündigen wir euch. (1Joh 1,1-3)

Menschen erwarten mit Recht, daß man ihnen glaubt, was sie sagen - Gott erwartet das noch viel mehr:

Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner. (1Joh 5,10)


Woher nimmt ein Mensch den Mut, dem Zeugnis des heiligen Gottes zu widersprechen? Gottes Selbstzeugnis haben wir wahrheitsgemäß in der Bibel aufgeschrieben. Und Gott selber wachte über die richtige Weitergabe seines Wortes - und er erwartet, daß wir ihm glauben:

Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat solches Zeugnis in sich. (1Joh 5,10) D. h. dem Glaubenden schenkt Gott die Gewißheit ins Herz.

Der Glaube hat also Gewißheit. Die Gewißheit ist nicht in uns, sondern in Jesus gegründet. Gewißheit über Gott bekommt man durch die persönliche Bindung an Jesus Christus allein.

Wie kann man zum Glauben kommen?

Im Römer-Brief, 10,17 steht:

Der Glaube kommt aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi.

Wer sich in die Rufnähe Gottes begibt - in seine Gemeinde - wer sein Wort hört und liest, der erfährt Gottesbegegnung:

Ich bin es, der mit dir redet. (z.B. Joh 4,26)

Wer sich Gottes Anruf stellt, begegnet dem heiligen Gott. In dieser Begegnung wird dem, der sich Gott naht, bewußt, daß er von Gott getrennt ist, weil er ohne Gott lebte, weil er sein Leben selbst bestimmt hat. Er ist ein verlorener Mensch. Er versteht, wie groß seine Schuld sein muß und wie groß Gottes Liebe zu ihm ist, daß Christus am Kreuz für seine Sünde starb. Johannes Calvin stellte fest:

Es gibt keine Selbsterkenntnis ohne Gotteserkenntnis, und es gibt keine Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis! (Wer seine Verlorenheit, sein sündiges, verdorbenes Wesen nicht erkennt, kann nicht zu Gott finden.)

Ohne Gotteserkenntnis wüßte ich nicht, wer ich bin, und ohne das Kreuz Jesus wüßte ich nicht, wer Gott ist.

Das Kreuz ist unser Tatort: Dort werden Menschen von Gott unter Anklage gestellt; am Kreuz kommt unser Leben ohne Gott und gegen Gott zur Sprache: unsere Selbstverwirklichung, unser Seinwollen wie Gott, unsere Selbstbeglückung, Gleichgültigkeit, Gottesverachtung, unser Widerspruch und unsere Mißachtung seiner Gebote und seines Willens - das alles erfordert Gottes Gericht, denn er ist heilig und kann Böses nicht gut heißen.

Am Kreuz wird Schuld gerichtet. Und jetzt kommt das Überraschende, Unfaßbare: Jesus stellt sich am Kreuz unter unser Todesurteil! Er erleidet an unserer Statt das Gericht! Er stirbt meinen Tod! Er kauft mich los aus den Händen des Todes!

Denn Gott hat Christus, der ohne Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und gerichtet, damit wir von dieser Schuld frei sind und Menschen werden, die Gott gefalen. (2Kor 5,21)

Nun gilt es, diese Erlösung dankbar anzunehmen. Wer diese Tatsache des Kreuzes bestreitet, muß mit seiner Lebensverantwortung gnadenlos vor Gott stehen. Wer Jesus verfehlt, hat Gottes Begnadigung verloren. -

Wenn zwei Menschen sich lieb haben, können sie nicht im unverbindlichen Flirt leben: Ihre Bindung wird erst fest, wenn bei beiden das Wort fällt: Ich habe dich lieb! - So ist es auch mit Gott. Christus sagt:

Ich habe dich lieb - ich bin für dich am Kreuz gestorben - ich habe dich am Kreuz in ein neues Leben geliebt, das vor Gott gilt - ich habe mich entschlossen, dich zu Gottes Kind und Eigentum zu machen - willst du mir angehören?

Wer darauf mit Ja antwortet, gehört Gott an, und er empfängt ein neues Leben:

Wer glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren - und wer Jesus hat, der hat das Leben. (1Joh 5,1 u. 12)

Ein neues Leben entsteht durch die Verbindung von einer Ei- und Samenzelle. Das neue Leben aus Gott entsteht aus der Verbindung des Wortes Gottes und dem Heiligen Geist. Wer sich Jesus, der ja Gottes Wort ist, angelobt, der empfängt durch den Geist Gottes ein unzerstörbares, ewiges Leben, das der Tod nicht nehmen kann. Jesus sagte:

Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt - und wer an meinem Wort festhält, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. (Joh 8,51 u. 11,25)

Joannes, der Jünger Jesu, schrieb:

Gott hat das ewige Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer de Sohn nicht hat, der hat das ewige Leben nicht. (1Joh 5,11 u. 12)

In der persönlichen Bindung an Jesus Christus verbindet er unser zerbrechliches Leben mit der Ewigkeit! Er stellt es unter seine Fürsorge; er verändert es und macht es brauchbar. Durch den Glauben an Gott wird ein Leben neu: Die Vergangenheit ist mit Jesus bewältigt - das Heute wird von der Gegenwart Jesus bestimmt - und das Morgen wird mit seiner Treue verbunden.

Doch wie bekommt man darüber Gewißheit? In einem Gespräch mit einem Christen, einem Seelsorger, kann man sein Leben vor Gott in Ordnung bringen und Gottes gültige Vergebung verbindlich zugesprochen bekommen. So ist die Vergangenheit nicht mehr belastend; manchmal ist auch eine konkrete Absage und Lossprechung von Widergöttlichem nötig. In einem Gebet kann man Gott sein Leben übergeben und ohne jede Vorbedingung anvertrauen:

Herr, Jesus Christus - mir ist klar geworden, daß ich bisher mein Leben selbst bestimmt habe und darum von dir getrennt bin. -

Danke, daß du für meine Sünde gestorben bist - danke, das du vom Tod auferstanden bist und lebst. -

Tritt jetzt in mein Leben ein und übernimm die Führung meines Lebens als mein Herr und Gott. -

Verändere mich so, wie du es haben willst. -

Gebrauche mich in deiner Gemeinde. -

Danke, daß du mein Gebet erhört hast und in mein Leben getreten bist.


So gibt Gott Gewißheit. Ich weiß, daß er mit mir in seinem Wort spricht und daß sein Wort mir persönlich gilt. Das Ja zu Gott erschließt die Liebe zu ihm, zu seinem Wort, zu seinen Geboten und zu seiner Gemeinde.

In der Taufe wird mir die Erlösungssache, die Christus am Kreuz erwirkte, bezeugt, und im Mahl des Herrn wird mir Gemeinschaft mit ihm und den Seinen geschenkt.

Was bedeutet es doch, diesen Gott zu kennen und ihm anzugehören! In dieser Zeit weltweiter Identitätssuche findet der Mensch seine Seins-Übereinstimmung nicht in Kultur, Religion, Politik, sondern im Gegenüber seines Schöpfers. In einer Zeit der Verführungen, der Illusionen, der Entstabilisierung und der Orientierungslosigkeit will Gott sein Wort bei uns fest, krisenfest machen. In einer Zeit wachsender Ungeborgenheit und Angst will er selber der Ankergrund sein, der hält! Modern ist, wer sich dem anvertraut, dem die Zukunft gehört, und der diese Welt neu machen wird!

Wer sein Leben an den Herrn Jesus bindet, erlebt im Alltag die Gottes-Nähe und seine Kraft. Das Leben eines Christen steht unter der liebenden Leitung des Geistes Gottes, der verändert, gestaltet, vergewissert.

Die Bindung an den Herrn Jesus ist auch eine Bindung an seine Gemeinde, in der er ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe untereinander weckt und verwirklicht.

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