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1.Gibt es einen Übergang von unbelebter Materie zu lebendigen Organismen?

2.Gibt es heute noch neue Botschaften als Ergänzung zur Bibel? Ist Gott nicht größer als die Schrift, um direkt zu jemandem zu reden?

3.Glauben heißt ja nicht "wissen"; wie kommen Sie dazu, den Glauben als etwas Gewisses darzustellen?

4.Hat nicht Gott schuld an allem?

5.Ist das ein Gott der Liebe, wenn er all die Not in dieser Welt zulässt? Warum lässt Gott das Leid zu?

6.Wie kommt es, dass bei einem jungen Universum das Licht von Objekten, die Millionen von Lichtjahren von uns entfernt sind, die Erde bereits erreichen konnte? Müsste man da nicht eher ein Alter annehmen, das mindestens der Zeit entspricht, die ein Lichtstrahl unterwegs gewesen sein muss, um von dort zu uns zu gelangen?

7.Was halten Sie von der Gentechnologie?

8.Was ist an der Bibel anders als bei allen sonstigen Büchern der Weltliteratur?

9.Was ist das ewige Leben? Wie muss man sich das vorstellen?

10.Was ist der Sinn des Lebens?

11.Wodurch wird man selig - durch den Glauben oder durch Werke?

12.Woher kann ich wissen, dass es Gott überhaupt gibt?

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage


1.Gibt es einen Übergang von unbelebter Materie zu lebendigen Organismen?


Die frühere scharfe Trennung zwischen anorganischer und organischer Chemie hatte einen gewichtigen Grund: In der unbeeinflussten Natur entstehen organische Verbindungen nur durch Aktivität der Organismen. Mit dem Tod des Organismus setzt der umgekehrte Prozess ein: Die organischen Stoffe zerfallen in ihre anorganischen Bestandteile. Als der Chemiker F. Wöhler 1828 das eindeutig anorganische Ammoniumcyanat in die organische Verbindung Harnstoff umwandelte, war dieser grundsätzliche Unterschied nicht mehr gegeben. Durch zielstrebige und planvolle Tätigkeit ist man heute in der Lage, zahlreiche organische Verbindungen zu synthetisieren. Unabdingbar ist dabei die Kenntnis von Chemie und Verfahrenstechnik, kurz: der Einsatz von Geist. Betrachten wir nun die Lebewesen, so stellen wir fest, dass es auf der physikalisch-chemischen Ebene in Pflanzen und Tieren und beim Menschen keine Prozesse gibt, die den physikalischen und chemischen Vorgängen außerhalb lebender Organismen widersprechen. Die bekannten Naturgesetze haben auch hier ihre volle Gültigkeit. Zwischen unbelebter Materie und der Materie in Lebewesen gibt es somit keinen prinzipiellen Unterschied auf der Ebene von Chemie und Physik. Die neodarwinistischen Ansätze über die Entstehung erster Lebewesen in der Ursuppenatmosphäre gehen über diese Erkenntnis hinaus und behaupten, dass es einen verhältnismäßig glatten und unproblematischen Übergang von unbelebter Materie zu lebenden Organismen gibt. Ein lebendiger Organismus darf aber nicht verwechselt werden mit Materie in Lebewesen. Die Gesamterscheinung des Organismus wird nicht angemessen verstanden, wenn man sie nur unter dem Gesichtspunkt der isolierten Erklärbarkeit ihrer einzelnen Teile betrachtet.

Organismen enthalten als wichtige Zutat Information, jene geistige Größe, welche die Materie nicht von selbst erzeugen kann. Sie ist dafür verantwortlich, dass jedes Lebewesen auf eine bestimmte Gestalt hinstrebt und in der Lage ist, sich zu vermehren. In der unbelebten Natur gibt es das Prinzip Vermehrung (Reproduktion aufgrund eingeprägter Information) nicht. Information wird damit zum kennzeichnenden Kriterium, um einen lebenden Organismus von unbelebter Materie deutlich zu unterscheiden. Ebenso hat die Entstehung einer individuellen Gestalt – im Gegensatz zur Kristallbildung – nichts mit einer physikalisch-chemisch bedingten Strukturgesetzlichkeit zu tun. Bei dem Phänomen Leben handelt es sich um eine Qualität, die jenseits von Physik und Chemie liegt. Gerade die sogenannten Evolutionsexperimente, welche die Entstehung des Lebens als ein rein physikalisch-chemisches Phänomen belegen sollten, bestätigen unsere Aussage: Niemals kann Information in einem physikalisch-chemischen Experiment entstehen!


  • Bei den vielzitierten Miller-Experimenten konnten einige Aminosäuren, die Grundbausteine der Proteine, synthetisiert werden; Information ist jedoch nie entstanden. Damit liegt dieser Versuch außerhalb dessen, was man als Evolutionsexperiment bezeichnen könnte.

  • Der von M. Eigen entworfene Hyperzyklus ist ein reines Gedankenexperiment ohne die notwendige experimentelle Bestätigung. Mit Hilfe von sogenannten „Evolutionsmaschinen“ wollte Eigen die Evolution in den Stand des Experimentellen versetzen. Gegenüber „Bild der Wissenschaft“ (H. 8, 1988, S. 72) sagte er: „In einer unserer Maschinen haben wir Bakterienviren evolvieren lassen… Dieses Projekt hatte bereits Erfolg. In nur drei Tagen konnten wir eine Mutante isolieren, welche die entsprechende Resistenz aufwies. Das Beispiel zeigt, dass es möglich ist, den Evolutionsprozess im Labor nachzuahmen.“ Solche Aussagen erwecken den Eindruck, als wäre hier ein Evolutionsexperiment gelungen. In Wirklichkeit wurde von bereits vorhandenen Lebewesen ausgegangen. Auch hier ist keine neue Information entstanden, sondern mit vorliegender werden Versuche ausgeführt, die somit keine Aussage über die Entstehung von Information liefern.


Es gilt als bedeutsames Faktum festzuhalten: In keinem Laboratorium der Welt ist es je gelungen, aus unbelebten organischen Stoffen lebendige Organismen „herzustellen“. Dies ist um so beachtenswerter, als die Biotechnik mit dem Lebendigen zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten entwickelt hat. Bezeichnenderweise setzt Biotechnik immer bereits bei Lebendigem ein und versucht es lediglich zu manipulieren. Offenbar ist die Kluft zwischen chemotechnischen Verfahren und der Biotechnik unüberwindbar. Ja, selbst wenn es eines Tages nach unermüdlicher Forschertätigkeit und Einsatz aller Kenntnisse möglich sein sollte, würde damit bewiesen: Leben ist nur durch Einsatz von Geist und Schöpfertätigkeit erklärbar. 

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage

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2.Gibt es heute noch neue Botschaften als Ergänzung zur Bibel? Ist Gott nicht größer als die Schrift, um direkt zu jemandem zu reden?


Wir müssen zwei Redeweisen Gottes unterscheiden: die für alle Menschen in gleichem Maße gültige Bibel und die individuelle Führung Gottes im Leben des einzelnen.


  1. Ergänzungen zur Bibel? Parallel mit der Entstehung der biblischen Schriften durch von Gott berufene und von ihm autorisierte Männer (z. B. Jeremia 1, 5; Galater 1, 12) treten auch falsche Propheten mit eigenmächtigen Botschaften auf. Auf die auch uns bewegende Frage „Wie kann ich merken, welches Wort der Herr nicht geredet hat?“ (5. Mose 18, 21) gibt Gott als Antwort ein entscheidendes Kriterium zur Prüfung der Wahrheit: „Wenn der Prophet redet in dem Namen des Herrn, und es wird nichts daraus und es kommt nicht; das ist das Wort, das der Herr nicht geredet hat; der Prophet hat’s aus Vermessenheit geredet“ (5. Mose 18, 22). Auch in der Bergpredigt warnt Jesus vor den falschen Propheten und nennt uns ebenso die Kennzeichen ihrer Identifizierung: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?“ (Matthäus 7, 15-16). Der Apostel Johannes weist nicht minder eindringlich auf die Gefahr hin: „Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen. Wer weitergeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht“ (2. Johannes 7+9). Nur die Bibel ist von Gott offenbart. Im Letzten hat Gott durch seinen Sohn geredet (Hebräer 1, 1), und es wird nun keine zusätzlichen Offenbarungen mehr geben (Offenbarung 22, 18). Dem Wort der Bibel ist danach nichts mehr hinzuzufügen. Schon Petrus warnt zu seiner Zeit vor „verderblichen Sekten“ (2. Petrus 2, 1), die mit eigenen Lehren die Menschen zur Verdammnis führen. Die Zutaten und Entstellungen der Bibel von Joseph Smith (Buch Mormon der Mormonen) Jakob Lorbeer (Freunde der Neuoffenbarung), Ch. T. Russel (Jehovas Zeugen), M. Baker Eddy (Christliche Wissenschaft) u.a. sind keine göttlichen Botschaften, sondern bedauerliche Irrwege falscher Lehrer und Verführer. Gott gibt keine zusätzlichen Offenbarungen, sondern nur neues Licht über das, was er uns schon längst im AT und NT mitgeteilt hat. So bleibt die Bibel die einzige verbindliche Informationsquelle und die alleinige Messlatte, an der alles zu prüfen ist. Auch Zitate heutiger Zeitgenossen mit der einleitenden Autorisierungsformel „Der Herr hat mir gesagt…“ bedürfen wegen des oben Dargelegten einer strengen Prüfung.


  1. Individuelle Führung Gottes: Oft wünschten wir uns ein direktes Reden Gottes in einer bestimmten Situation. Gott könnte es tun, aber es ist nicht seine Methode. Martin Luther, John Wesley, Hudson Taylor oder Billy Graham waren bzw. sind bedeutende Gottesmänner und haben Außergewöhnliches ausgerichtet. Sie haben sich auf Gottes Wort berufen und empfingen von dort Impulse ihres segensreichen Wirkens. Unser Gebet „Weise mir, Herr, deinen Weg“ (Psalm 86, 11) erbittet Gottes Handeln in unserem Leben. Das ist erfahrbar und erst im Nachhinein eindeutig als Wirken Gottes erkennbar, aber es geschieht lautlos ohne hörbare Stimme Gottes.


    Prof. Dr. Werner Gitt

    Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

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    3.Glauben heißt ja nicht "wissen"; wie kommen Sie dazu, den Glauben als etwas Gewisses darzustellen?


    Mit der Frage des Glaubens haben sich zahlreiche Denker befasst. Wir finden bei ihnen sehr unterschiedliche Positionen, die aber nicht das Ergebnis neutralen Denkens sind, sondern uns ihren persönlichen Standpunkt wiedergeben.


    Kritische Standpunkte: Der Atheist Theo Löbsack vertritt die Auffassung: „Der Glaube verteidigt vorgefasste Überzeugungen und lehnt Erkenntnisse der Wissenschaft ab, wenn sie diesen Überzeugungen widersprechen. Damit ist der Fragen bezüglich des Lebens und des Glaubens Glaube auch letztlich der Todfeind der Wissenschaft."


    Ähn­lich kritisch äußerte sich Kant: „Ich musste das Wissen auf­heben, um zum Glauben Platz zu bekommen." Mit dieser unbiblischen Auffassung wurde er zum Wegbereiter ver­schiedener Philosophieschulen, die dem Glauben diame­tral gegenüberstanden. Der Leitspruch an einer Wand der Neuen Oberschule in Norf bei Neuß „Vertraue keinem, der seinen Gott im Himmel hat", ist die letzte Konsequenz der kritischen Vernunft.


    Positive Standpunkte: Von dem wohl größten Physiker aller Zeiten, Isaak Newton, stammt der Ausspruch: „Wer nur halb nachdenkt, der glaubt an keinen Gott; wer aber richtig nach­denkt, der muss an Gott glauben." Mit gleicher Gewissheit bezeugt der berühmte Mathematiker Blaise Pascal (1623-1662): „Wie alle Dinge von Gott reden zu denen, die ihn kennen und ihn enthüllen denen, die ihn lieben, so verber­gen sie ihn aber auch allen denen, die ihn nicht suchen und nicht kennen."

    Die beiden gegenübergestellten Positionen belegen deut­lich, dass der Glaube nicht eine Funktion der Unwissenheit ist, sondern allein von der persönlichen Voreinstellung ab­hängt. Diese ändert sich nicht durch philosophische Refle­xionen, sondern allein in der Hinkehr zu Jesus Christus, welche die Bibel als Bekehrung bezeichnet. Dem nichtbekehrten Menschen sind Fragen des Glaubens eine Torheit (1. Korinther 1, 18), und er kann sie nicht verstehen (1. Korinther 2, 14). Der von Christus erfasste Mensch jedoch wird in alle Wahrheit ge­leitet (Johannes 16, 13), sein Glaube hat ein festes Fundament (1. Korinther 3, 11), und sein Glaube ist etwas äußerst Gewisses:

    Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht" (Hebräer 11, 1).



Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

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4.Hat nicht Gott schuld an allem?


Als Gott den Adam nach dem Sündenfall zur Rechenschaft zog, verwies dieser auf Eva: „Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum“ (1. Mose 3, 12). Als Gott dann die Frau ansprach, wies auch Eva von sich weg: „Die Schlange betrog mich also, dass ich aß“ (1. Mose 3, 13). Bezüglich unserer Schuld haben wir ein merkwürdiges Verhalten: Wir weisen immer von uns ab, bis wir letztlich Gott zum Schuldigen erklären. Nun aber geschieht das Unvorstellbare: In Jesus nimmt Gott alle Schuld auf sich: „Denn Gott hat den (= Jesus), der von keiner Sünde wusste, zur Sünde gemacht“ (2. Korinther 5, 21). Das Gericht Gottes über die Sünde der Welt entlädt sich auf den Sohn Gottes. Ihn trifft der Bannstrahl mit voller Schärfe; das ganze Land verfinstert sich für drei Stunden, er ist wirklich von Gott verlassen. „Er hat sich selbst für unsere Sünden gegeben“ (Galater 1, 4), damit wir frei ausgehen können. Das ist das Manifest der Liebe Gottes. Eine bessere Botschaft als das Evangelium gibt es nicht.


Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

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5.Ist das ein Gott der Liebe, wenn er all die Not in dieser Welt zulässt? Warum lässt Gott das Leid zu?

Vor dem Sündenfall gab es weder Tod noch Leid, weder Schmerz noch irgend etwas von dem, was uns heute so viel Mühe macht. Gott hatte alles so gestaltet, dass der Mensch unter idealen Bedingungen leben konnte. In freier Entscheidung ging der Mensch eigene Wege, die von Gott wegführten. Warum Gott uns einen so weiten Freiheitsradius zubilligt, können wir nicht erklären. Wir stellen aber fest: Wer von Gott weggeht, gelangt ins Elend. Diese bittere Erfahrung machen wir bis zum heutigen Tag. Manche Menschen sind dazu geneigt, Gott die Schuld zuzuschieben. Dabei sollten wir bedenken, dass nicht Gott, sondern der Mensch der Verursacher ist. Wenn wir des Nachts auf der Autobahn das Scheinwerferlicht ausschalten und es so zu einem Unfall kommt, dürfen wir nicht dem Autohersteller die Schuld geben. Er hat die konstruktiven Vorgaben für die Beleuchtung gegeben; wenn wir sie willentlich ab- schalten, ist das allein unsere Sache. „Gott ist Licht“ (1. Johannes 1, 5), und wenn wir uns in die Finsternis der Gottesferne begeben, dürfen wir uns nicht bei dem Schöpfer beklagen, der uns doch für seine Nähe geschaffen hat. Gott ist und bleibt ein Gott der Liebe, denn er hat Unvorstellbares getan: Er gab seinen eigenen Sohn dahin, um uns aus unserer selbstverschuldeten Situation freizukaufen. Jesus sagt von sich in Johannes 15, 13: „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Gibt es eine größere Liebe? Nie ist etwas Größeres für den Menschen vollbracht worden als in der Tat auf Golgatha: Das Kreuz ist somit der Höhepunkt göttlicher Liebe. Wir leben alle – ob gläubig oder ungläubig – in der gefallenen Schöpfung, in der das Leid in all seinen uns wohlbekannten Ausprägungen genereller Bestandteil ist. Nicht deutbar bleibt für uns das individuelle Leid. Warum geht es dem einen gut, und der andere ist durch Not und schwere Krankheit hart geschlagen? Oft muss der Gläubige sogar mehr leiden als der Gottlose, wie es der Psalmist feststellt: „Denn es verdross mich der Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging. Denn sie sind in keiner Gefahr des Todes, sondern stehen fest wie ein Palast. Sie sind nicht im Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt“ (Psalm 73, 3-5). Er findet aber auch die rechte Einordnung seiner individuellen Not, die er nicht als Strafe für eigene Sünde ansieht. Er hadert nicht mit Gott, sondern klammert sich fest an ihn: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an… Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Psalm 73, 23-24+26).


Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

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6.Wie kommt es, dass bei einem jungen Universum das Licht von Objekten, die Millionen von Lichtjahren von uns entfernt sind, die Erde bereits erreichen konnte? Müsste man da nicht eher ein Alter annehmen, das mindestens der Zeit entspricht, die ein Lichtstrahl unterwegs gewesen sein muss, um von dort zu uns zu gelangen?


Die in der obigen Frage enthaltenen Aussagen sind Folgerungen, die wir korrekt aus der jetzigen Situation schließen: Das Licht hat mit seinen 300 000 km/s (der exakte Wert mit ausschließlich Nullen nach dem Komma wurde auf der 17. Generalkonferenz für Maß und Gewicht 1983 mit 299 792 458 m/s definiert) zwar eine sehr hohe, aber dennoch begrenzte Ausbreitungsgeschwindigkeit. Jeder Stern, den wir jetzt sehen, informiert uns daher nicht über seine gegenwärtige Existenz, sondern über eine Vergangenheit, als deren Zeuge seine Lichtstrahlen augenblicklich bei uns eintreffen.

Eine (unerlaubte!) Schlussfolgerung lautet darum: Da es Sterne gibt, die mehrere Milliarden Lichtjahre entfernt sind, müssten diese doch mindestens ebenso viele Milliarden Jahre alt sein. Zur Klärung dieser Denkweise sind zwei Fakten von ausschlaggebender Bedeutung:


  1. Entfernung statt Zeit: Das Lichtjahr ist ebenso wie das Meter kein Zeitmaß, sondern ein Entfernungsmaß! Ein Lichtjahr entspricht der Entfernung von 9,46 Billionen Kilometern. Diese Strecke durchläuft das Licht in einem Jahr. (Ebenso kann man die Zeit angeben, die das Licht für das Durchlaufen der Strecke von einem Meter benötigt. Sie beträgt 1/299 792 458 Sekunden. Die frühere Definition des Meters über Wellenlängen ist übrigens durch diese Laufzeitdefinition des Lichtes abgelöst worden.) Haben zwei Objekte A und B den Abstand a voneinander, so kann bei alleiniger Kenntnis der Distanz noch nichts über ihren sonstigen Zustand (z. B. Alter) gesagt werden.


  1. Schöpfungsdenken: Die ungehinderte gedankliche Koppelung von Entfernung an Zeit ist eine Folge des Evolutionsdenkens, bei dem beliebig viel Zeit für die Vergangenheit wie auch für die Zukunft angesetzt wird. Nach biblischer Sicht hat die Zeitachse jedoch einen definierbaren Anfangspunkt, der mit dem ersten Vers der Bibel markiert ist und der einige Jahrtausende (nicht Jahrmillionen!) zurückliegt. Eine Weiterverlängerung der Zeitachse über diese Anfangsmarke hinaus ist darum physikalisch nicht statthaft. Lässt jemand dieses Faktum außer acht, so befindet er sich in derselben Lage wie einer, der seine eigene Existenz über den Zeitpunkt der Zeugung noch weiter vorverlegt. Um die gestellte Frage weiter zu prüfen, gehen wir mit dem obigen Denkansatz in die Schöpfungswoche hinein. Am vierten Schöpfungstag wurden die Sterne geschaffen (1. Mose 1, 14-16). Nach Abschluss der Schöpfung wäre nach obigem Einwand am Himmel kein einziger Stern zu sehen gewesen. Der erdnächste Stern, der a-Centauri (genauer: Proxima Centauri), ist 4,3 Lichtjahre von der Erde entfernt. Somit wäre er 4,3 Jahre nach der Schöpfung erstmals von der Erde aus sichtbar gewesen. Als nächster Stern käme dann 1,6 Jahre später Barnards Pfeilstern (Entfernung 5,9 Lichtjahre) hinzu usw. Dieser Vorgang wäre bis heute noch nicht abgeschlossen, denn von Jahr zu Jahr würde das Licht einer ständig zunehmenden Zahl von Sternen, entsprechend ihrem größeren Abstand von der Erde, bei uns eintreffen. Das aber widerspricht der astronomischen Beobachtung. Adam hätte nach dieser Denkweise 4,3 Jahre lang einen völlig sternenlosen Nachthimmel gesehen, und nach weiteren 1,6 Jahren bekäme er den zweiten Stern zu Gesicht. Abraham, der wohl etwa 2000 Jahre nach der Schöpfung lebte, sähe nach dieser Theorie noch nicht einmal die hellsten Sterne unseres Milchstraßensystems, geschweige denn die Sterne anderer Galaxien, denn unsere Milchstraße hat eine Ausdehnung von 130 000 Lichtjahren. Gott aber zeigte dem Abraham die unermessliche sichtbare Sternenzahl, um ihn zum Staunen zu bringen: „Siehe gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen?“ (1. Mose 15, 5). Der obige Denkansatz „Anzahl der Lichtjahre = Mindest- alter des Sterns“ ist also nach Aussage der Bibel falsch. Die biblische Lösung dieses Problems finden wir in 1. Mose 2, 1-2: „Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer (= alle Sterne!). Und also vollendete Gott am siebenten Tag seine Werke, die er machte.“ Dies ist auch das Zeugnis des Neuen Testaments: „Nun waren ja die Werke von Anbeginn der Welt fertig“ (Hebräer 4, 3). Nach Ablauf der Schöpfungswoche war somit alles komplett abgeschlossen. Dies bedeutet auch, dass die Wahrnehmbarkeit der Sterne von der Erde aus vorgegeben war, denn seit der Schöpfung sind alle Werke zu ersehen (Römer 1, 20). Es liegt im Wesen der Schöpfung, dass wir nicht alle Gesetze unserer jetzigen Erfahrung in diese Zeit des Erschaffens hineininterpretieren dürfen. „Vollendet“ bedeutet fertig in jeder Hinsicht: der Fahrstrahl des Lichtes der Sterne war also ebenso geschaffen wie die Sterne selbst, d. h., auch von den entferntesten Sternen war das Licht bereits auf der Erde „eingetroffen“. Es gilt zu bedenken: Mit unserem naturwissenschaftlichen Bemühen (Denken und Forschen) gelangen wir zeitlich maximal bis zum Ende der Schöpfungswoche zurück. Zum Verständnis der Geschehnisse innerhalb der Schöpfungswoche kommen wir nur, wenn wir die offenbarten Details durch Studium der Bibel erschließen.


    Prof. Dr. Werner Gitt

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    7.Was halten Sie von der Gentechnologie?


    Die Methoden der Gentechnologie erlauben es, be­liebige Gene völlig neu zu kombinieren. Damit eröffnen sie die Möglichkeit, das Erbgut der Lebewesen gezielt und schnell zu verändern und es bestimmten Zwecken zu unterwerfen. Im Mittelpunkt heutiger genchirurgischer Be­mühungen steht die Konstruktion von Bakterienzellen, die durch den Einbau eines fremden Gens (z. B. von einem Säu­getier oder vom Menschen) zu Produktionsstätten für me­dizinisch oder technisch interessante Produkte (z. B. Hor­mone, Impfstoffe) werden. Das erste gentechnisch herge­stellte Medikament war das Hormon Insulin, das zur Be­handlung von Diabetes unentbehrlich ist. Dabei wird in Coli-Bakterien das entsprechende menschliche Gen einge­schleust, das beim gesunden Menschen für eine ausreichen­de Insulinproduktion sorgt. Dieses so gewonnene Insulin ist darum identisch mit dem normalerweise im menschli­chen Körper produzierten. Fernere Zielsetzungen sind es, bei Kulturpflanzen den Nährwert zu verbessern, sie gegen­über Infektionen und Unkrautvertilgungsmitteln unemp­findlicher zu machen oder Erbkrankheiten durch Einschleu­sen eines zusätzlichen intakten Gens in den Chromosomen­verband des Menschen zu heilen. Der Nutzen dieser neuen Technologie ist unverkennbar. Es ist jedoch auch hier zu bedenken, dass jede Technik ambivalent ist: Mit einem Hammer kann man einen Nagel in die Wand hauen, aber auch einem Menschen den Schädel einschlagen. Auch bei gut gemeinter technischer Anwendung sind die langfristi­gen Folgen kaum abschätzbar. All das gilt in besonderer Weise auch für die Gentechnik.

    Mit dem Turmbau zu Babel war - wie allgemein bekannt ist - das Gericht der Sprachverwirrung verbunden. Weni­ger Allgemeingut ist, dass Gott den Menschen auch in sei­nem Tun dahingegeben hat: „Hinfort wird ihnen nichts mehr unmöglich sein" (1. Mose 11, 6). Gott gewährt dem Menschen, Taten zu vollbringen, die er lieber nicht ausführen sollte. Es wäre dem Menschen gut, wenn er nicht die Fähigkeit besäße, Gaskammern zu bauen, um darin massenweise Menschen zu vernichten, Atombomben zu entwickeln, um damit Städte auszulöschen oder Ideensysteme zu erdenken, die den Menschen versklaven. So liegt es im Bereich des menschlich Machbaren, zum Mond zu fliegen, Organe zu verpflanzen und Gene zu manipulieren.

    Der nicht an Gott gebundene Mensch hält sich für auto­nom und kennt keine Einschränkungen in seinem Handeln. Sein Tun wird ihm selbst zum Gericht. Der an Gott glau­bende Mensch wird nach biblischen Maßstäben suchen und nicht alles tun, was machbar ist. In dem Auftrag „mehret euch" (1. Mose 1, 28) beteiligt Gott uns Menschen an einem Schöpfungsprozess. In der geschlechtlichen Zuordnung von Mann und Frau hat Gott alle Voraussetzungen zu diesem Schöpfungsvorgang gegeben, dennoch bleibt Gott auch da­bei der Bildner: „Deine Augen sahen mich, da ich noch un-bereitet war" (Psalm 139, 16). Bei der Genmanipulation kön­nen wir in den von Gott vorgegebenen Prozess verändernd eingreifen: Die in eine befruchtete Eizelle übertragenen Gene können an nachfolgende Generationen weitergege­ben werden. Dieser Eingriff ist nicht mehr rückgängig zu machen und birgt unüberschaubare Gefahren in sich. Ch. Flämig sieht in utopischer Vision das Endziel der Genetik in der Schaffung eines Übermenschen: „Die besten Geis­ter der Menschheit werden... genetische Methoden ent­wickeln, die neue Eigenschaften, Organe und Biosysteme erfinden, die den Interessen, dem Glück und der Herrlich­keit jener gottgleichen Wesen dienen, deren dürftige Vor­ahnung wir elenden Kreaturen von heute sind" („Die ge­netische Manipulation des Menschen". Aus Politik und Zeit­geschichte B3/1985, S. 3-17). Bei solcher Zielsetzung wird der Mensch zum Gott verachtenden Prometheus:


    Hier sitz' ich, forme Menschen

    Nach meinem Bilde,

    Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

    Zu leiden, zu weinen

    Zu genießen und zu freuen sich,

    Und dein nicht zu achten

    Wie ich!"

    (Johann Wolfgang v. Goethe)

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage


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8.Was ist an der Bibel anders als bei allen sonstigen Büchern der Weltliteratur?


Die Bibel unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht grundlegend von allen sonstigen Büchern der Weltgeschichte, so dass sie ein einzigartiges, einmaliges und unvergleichliches Werk darstellt:


  1. Trotz über 1000-jähriger Entstehungsdauer weist die Bibel eine einzigartige Kontinuität auf: Die Bibel wurde in einer Zeitspanne von über 1500 Jahren von etwa 45 Schreibern unterschiedlicher Herkunft und Berufe geschrieben. Hierzu gehören z. B. der Universitätsabsolvent Mose, der militärische Oberbefehlshaber Josua, der Ministerpräsident Daniel, der Mundschenk Nehemia, der König David, der Hirte Amos, der Fischer Petrus, der Zöllner Matthäus, der Arzt Lukas und der Zeltmacher Paulus. Die Bibelteile entstanden mitunter an ungewöhnlichen Orten, wie in der Wüste (Mose), im Kerker (Jeremia), im Palast (Daniel), auf Reisen (Lukas) oder in der Verbannung (Johannes) und bei allen nur denkbaren Gemütsverfassungen der Schreiber, wie Freude und Liebe, Angst und Sorge, Not und Verzweiflung. Trotz der sonst nirgends anzutreffenden Spannweite von 60 Generationen hinsichtlich ihrer zeitlichen Entstehung und der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten ihrer Autoren ist die Bibel von einer einheitlichen, fein aufeinander abgestimmten Thematik. Die Schreiber behandeln Hunderte von Themen mit besonders auffälliger Harmonie und Kontinuität. Würden Menschen ohne das Wirken Gottes aus so weit entlegenen Zeitepochen und mit so divergierenden Persönlichkeitsstrukturen eine solche Themenspanne bearbeiten, so wäre erfahrungsgemäß keine Einheit zu erwarten. Insbesondere zieht sich die biblische Lehre über Gott sowie seine Heilsgeschichte mit den Menschen wie ein roter Faden durch die ganze Bibel.


  1. Die Bibel enthält eine so weite Palette literarischer Gattungen wie sie in keinem anderen Buch anzutreffen ist (siehe Satz B58 im Anhang, Teil I). Hingegen fehlen diejenigen Textarten, die nicht der Wahrheit verpflichtet sind wie z. B. Märchen, Legende und Sage. Ebenso wenig findet man solche Über- oder Untertreibungen, wie wir sie von Satiren, Glossen, Heldenreden oder Komödien kennen.


  1. Die Bibel ist von einer beachtenswerten Vielseitigkeit geprägt. Sie ist zugleich Glaubens-, Gesetz- und Geschichtsbuch. Sie liefert die Grundlagen zahlreicher Wissensgebiete und enthält tausenderlei Lebensregeln für die verschiedensten Situationen. Sie ist der beste Eheberater und beschreibt, wie wir uns zu Eltern und Kindern, zu Freunden und Feinden, zu Nachbarn und Verwandten, zu Fremden, zu Gästen und Glaubensgenossen verhalten sollen (ausführlicher in Frage FL3 behandelt). Sie spricht über die Herkunft dieser Welt und allen Lebens, über das Wesen des Todes und über das Ende der Welt. Sie zeigt uns das Wesen Gottes, des Vaters, seines Sohnes Jesus Christus und die Wirkungen des Heiligen Geistes.


  1. Die Bibel ist das einzige Buch mit ausschließlich zuverlässigen prophetischen Aussagen. Diese sind göttlichen Ursprungs (1. Samuel 9, 9; 2. Samuel 24, 11; 2. Petrus 1, 20-21) und darum auch in keinem anderen Buch der Weltgeschichte zu finden (auch nicht im Koran oder in den Aufzeichnungen des französischen Okkultisten Nostradamus). Die Zeitspannen zwischen Niederschrift und Erfüllung sind so groß, dass auch strengste Kritiker nicht einwenden könnten, die Prophetien seien erst gegeben, nachdem die Ereignisse schon eingetreten waren (ausführlicher in [G1, 118-148]).


  1. Der zeitliche Aussagerahmen der Bibel findet nirgends seinesgleichen. Die Bibel erstreckt sich in ihren Aussagen vom Anfangspunkt der physikalischen Zeitachse (Schöpfung) bis zu ihrem Endpunkt (Offenbarung 10, 6b) hin. Kein sonstiges Buch vermittelt etwas Gewisses über den Beginn der Zeit und vermag die Ereignisse um den Endpunkt der Zeitachse zu beschreiben. Darüber hinaus spricht die Bibel von der Ewigkeit, jener Wirklichkeit, in der unsere einengenden Zeitgesetze keine Gültigkeit mehr haben.


  1. Keine Aussage der Bibel hat sich als falsch erwiesen. Nie mussten wissenschaftliche Bezüge der Bibel aufgrund von Forschungsergebnissen revidiert werden. Hingegen gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass naturwissenschaftliche Beschreibungen in der Bibel erst etliche Jahrhunderte nach ihrer Niederschrift durch die Forschung bestätigt wurden (z. B. Zahl der Sterne: [G7, 15-23]; Gestalt der Erde: [G1, 59-60]).


  1. Kein sonstiges Buch beschreibt den Menschen so realistisch wie die Bibel. Es gibt keine komödienhaften Übertreibungen, keine retuschierten Biographien und kein glorifizierendes Heldentum, das die negativen Seiten der Menschen verbirgt oder verschleiert. So bleiben in der Bibel die Sünden der Erzväter (1. Mose 12, 11-13), der Ehebruch Davids (2. Samuel 11) und die Unordnung in den Gemeinden (1. Korinther 1, 11; 2. Korinther 2, 1-4) nicht unerwähnt.


  1. Wie kein anderes Buch erfasst die Bibel zukünftige Erscheinungen, die bei damaligem Wissensstand kein Mensch erahnen konnte (z. B. Spacelabs, Orbitalstationen: Ob 4) und schließt in ihre Lehre Situationen ein, die erst viele Jahrhunderte später aufgetreten sind (z. B. Drogenkonsum: 2. Korinther 6, 16-17; Gentechnologie: siehe Frage FL10).


Schon diese acht genannten Besonderheiten weisen die Bibel als ein herausragendes Buch aus, dem kein anderes auch nur annähernd vergleichbar wäre. Der Historiker Philip Schaff beschreibt die Einzigartigkeit der Schrift und den, über den sie spricht, sehr treffend: „Dieser Jesus von Nazareth besiegte ohne Geld und Waffen mehr Millionen Menschen als Alexander, Cäsar, Mohammed und Napoleon; ohne Wissenschaft und Gelehrsamkeit warf er mehr Licht auf göttliche und menschliche Dinge als alle Philosophen und Gelehrten zusammen; ohne rhetorische Kunstfertigkeit sprach er Worte des Lebens, wie sie nie zuvor oder seither gesprochen wurden und erzielte eine Wirkung wie kein anderer Redner oder Dichter. Ohne selbst eine einzige Zeile zu schreiben, setzte er mehr Federn in Bewegung und lieferte Stoff für mehr Predigten, Reden, Diskussionen, Lehrwerke, Kunstwerke und Lobgesänge als das gesamte Heer großer Männer der Antike und Moderne.“ (J. McDowell: Die Bibel im Test, S. 54) Wenn auch die Bibel hinsichtlich der Zahl ihrer Wörter und Buchstaben exakt erfassbar ist (z. B. englische King James Version: 783 137 W. und 3 566 480 B.), so ist doch die Fülle ihrer Gedanken unzählbar. Kein Menschenleben reicht aus, um den kompletten Gedankenschatz zu heben (Psalm 119, 162). Die Bibel können wir darum als einziges Buch beliebig oft lesen, ohne dass sie langweilig wird. Mit jedem Lesen erschließen sich neue Gedankengänge und Querverbindungen zu anderen Texten. Wir kommen zu einer wichtigen Schlussfolgerung: Die Bibel ist das einzige göttliche Buch. Ihre Wahrheit ist von Gott verbürgt und autorisiert (Psalm 119, 160; Johannes 17, 17). 

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage


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9.Was ist das ewige Leben? Wie muss man sich das vorstellen?


In der Sprache des NT gibt es zwei völlig verschiede­ne Wörter für das deutsche Wort „Leben": bios und zoä. Bios meint das biologische Leben des Menschen, aber auch aller außermenschlichen Kreatur. Dieses Leben eilt schnell und flüchtig dahin wie ein Strom, wie ein Schlaf, wie eine bald verwelkende Blume (Psalm 90, 5; Psalm 103, 15). In Hiob 14, 1-2 lesen wir: „Der Mensch, von der Frau geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht." An anderer Stelle wird dies enteilende Leben mit Dampfschwaden ver­glichen: „Denn was ist euer Leben? Ein Dampf seid ihr, der eine kleine Zeit währt, danach aber verschwindet er" (Jakobus 4, 14).


Von Otto v. Bismarck stammt der Ausspruch: „Das Leben ist ein geschicktes Zahnausziehen. Man denkt immer, das Eigentliche solle erst kommen, bis man plötzlich sieht, dass alles vorbei ist." Der Dichter Chr. F. Hebbel meinte: „Das Leben ist eine in siebenfaches Goldpapier eingewickelte Bit­termandel", und der Essayist Adolf Reitz definierte das Le­ben als „ein Massengrab der Hoffnungen und Enttäuschun­gen." Die Bibel gibt uns hingegen eine völlig andere Per­spektive: Wo Menschen ihr Leben als gute Gabe Gottes entdecken und es in der Nachfolge Jesu gestalten, bekommt es eine neue Dimension, das mit dem griechischen „zoä" beschrieben ist. Zoä ist Leben aus Gott, jenes wesenhafte, unauflösliche, ewige Leben. Jesus Christus ist in diese Welt gekommen, um uns das ewige Leben zu bringen. So ist es nicht nur mit seiner Person verknüpft; in ihm begegnet uns direkt das ewige Leben. Jesus sagt in Johannes 14, 6: „Ich bin... das (ewige!) Leben" (griech. zoä). Diese Identität von Jesus und ewigem Leben bezeugt auch der Apostel Jo­hannes: „Und das (ewige) Leben (griech. zoä) ist erschie­nen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündi­gen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen" (1. Johannes 1, 2). Wer an Jesus glaubt, wer ihn als Herrn hat, der hat damit auch ewiges Leben (1. Johannes 5, 12). Mit der Verheißung des ewigen Lebens (1. Johannes 2, 25) steht unser zeitliches Leben auf einer ewigen Grund­lage. Nur von daher wird es verständlich, dass Jünger Jesu um des Glaubens willen Verfolgung, Gefängnis und Folter ertragen und sogar in den Tod gehen, aber nicht ihren Herrn verleugnen. Das ewige Leben wird in seiner ganzen Fülle erst offenbar nach der Auferstehung: „Und viele... werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande" (Daniel 12, 2). In diesem Le­ben haben wir nicht nur die Zusage des ewigen Lebens, son­dern schon jetzt Anteil an Gottes und Christi Lebensfülle, Existenz und Herrlichkeit. Wenn der Glaube zum Schauen gelangt, werden wir Jesus und den Vater von Angesicht zu Angesicht schauen.

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage


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10.Was ist der Sinn des Lebens?


Wir Menschen sind die einzigen irdischen Wesen, die nach Sinn fragen. Uns bewegen drei Grundfragen: Woher komme ich? Wozu lebe ich? Wohin gehe ich? Viele haben darüber nachgedacht. Der Karlsruher Philosoph Hans Lenk betont, dass wir von seinem Fachgebiet keinerlei Antworten zu erwarten haben, wenn er schreibt: „Die Philosophie gibt selten endgültige inhaltliche Lösungen; sie ist ein Problemfach, kein Stoff- und Ergebnisfach. Für sie ist u. U. eine neue Problemperspektive viel wichtiger als eine Teillösung einer überlieferten Frage.“ Der Dichter Hermann Hesse schreibt: „Das Leben ist sinnlos, grausam, dumm und dennoch prachtvoll – es macht sich nicht über den Menschen lustig, aber es kümmert sich um den Menschen nicht mehr als um den Regenwurm.“ Die französische Schriftstellerin des Existentialismus und Atheistin Simone de Beauvoir verirrt sich in Sinnlosigkeit: „Welchen Sinn hat das Leben, wenn es doch radikal vernichtet, vernichtst wird? Weshalb ist es

dann da gewesen? Sinnlos ist letztlich alles: die Schönheit des Lebens, die Taten der Menschen, alles. Das Leben ist absurd.“ Auch die Wissenschaften wie Psychologie, Biologie, Medizin können uns keine Antwort geben, weil die Sinnfrage nicht zu ihrem Aussagenfeld gehört.

Manche Leute sehen den Sinn ihres Lebens darin, dass

  • sie Gutes tun wollen: Viele hegen diesen humanistischen Gedanken, der noch nicht spezifisch christlich ist. Gutes zu tun ist zwar auch den Christen aufgetragen (Galater 6, 10; 2. Thessalonicher 3, 13), aber wer gute Werke tut, ist damit noch kein Christ.


  • sie selbst zu Ansehen kommen: Sportler streben nach Weltmeistertiteln und Goldmedaillen. Künstler suchen ihre Anerkennung auf den Bühnen dieser Welt.



  • sie sich Unvergängliches schaffen wollen: So meinen sie, in ihren Kindern oder in der Gesellschaft weiterzuleben (z. B. durch Stiftungen, die mit ihrem Namen verbunden sind). Andere wünschen, sich in eigenen Gedichten, Memoiren oder Tagebüchern zu verewigen.


Wir sollten bedenken: Aller weltlicher Ruhm ist nur zeitlich. Nach unserem Tod haben wir selbst nichts mehr davon, denn wohin wir gehen, da „haben wir kein Teil mehr auf der Welt an allem, was unter der Sonne geschieht“ (Prediger 9, 6).

Wenn unser Leben eine Schöpfung Gottes ist, so kann es nur dann sinnvoll sein, wenn es mit diesem Gott gelebt und von ihm geführt wird. Ein Menschenherz – selbst wenn es alles Glück dieser Welt besäße – bliebe rastlos, leer und unerfüllt, wenn es nicht Ruhe in Gott fände. Darum wollen wir von Gott erfahren, was uns Sinn gibt. In drei Punkten sei dies skizziert:


  1. Gottes Ziel mit unserem Leben ist, dass wir zum Glauben kommen. Ohne den rettenden Glauben an den Herrn Jesus Christus gehen wir verloren. Darum sagte Paulus dem Kerkermeister zu Philippi: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ (Apostelgeschichte 16, 31). In diesem Sinn „will Gott, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2, 4). Weil diese Errettung für jedes Menschenleben vorrangig ist, sagte der Herr Jesus dem Gichtbrüchigen als Erstes: „Deine Sünden sind dir vergeben!“ (Matthäus 9, 2). Rettung der Seele hat aus der Sicht Gottes Vorrang vor der Heilung des Körpers.


  1. Wenn wir errettet sind, stehen wir im Dienst für Gott: „Dienet dem Herrn mit Freuden!“ (Psalm 100, 2). Als Nachfolger Jesu soll unser Leben so ausgerichtet sein, dass wir auch andere zu Jüngern machen (Matthäus 28, 19).


  1. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22, 39). Mit diesem Liebesgebot verpflichtet uns Gott nicht nur an den Fernen in Südafrika oder Chile, sondern in erster Linie an jene Menschen, die uns unmittelbar anvertraut sind: unser Ehepartner, unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Nachbarn, unsere Arbeitskollegen. Dass wir uns selbst lieben, setzt die Bibel als Tatsache voraus, aber dem Nächsten soll diese Liebe ebenso gelten. Was wir im Glauben unter den zuvor genannten Punkten 2 und 3 gewirkt haben, das bezeichnet die Bibel als die Frucht unseres Lebens. Im Gegensatz zu allen vergänglichen Erfolgen ist nur die Frucht bleibend (Johannes 15, 16). Gott sucht sie am Ende unseres Lebens und fragt uns, was wir mit anvertrauten Pfunden (Leben, Zeit, Geld, Begabungen) erwirkt haben (Lukas 19, 11-27). Selbst der Becher kalten Wassers, den wir im Namen Jesu gereicht haben, hat dann Ewigkeitsbedeutung (Matthäus 10, 42).

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage


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11.Wodurch wird man selig - durch den Glauben oder durch Werke?


Im NT finden wir zwei Aussagen, die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen:


  1. Rettung durch Glauben: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Römer 3, 28).

  2. Rettung durch Werke: „So sehet ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein“ (Jakobus 2, 24).


Nach den zentralen Aussagen des NT hat der Glaube an den Herrn Jesus Christus rettende Kraft (Johannes 3, 16; Markus 16, 16; Apostelgeschichte 13, 39; Apostelgeschichte 16, 31). Dieser rettende Glaube besteht nicht in einem Fürwahrhalten biblischer Fakten, sondern in der personalen Bindung an den Sohn Gottes: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben“ (1. Johannes 5, 12). Wer sich zum Herrn Jesus bekehrt, erfährt dadurch die größte Veränderung des Lebens. An seinem Lebensstil und an seinen Taten wird es für jedermann offenbar: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Johannes 14, 15) – „ihr werdet meine Zeugen sein“ (Johannes 15, 27) – „handelt damit, bis dass ich wiederkomme“ (Lukas 19, 13) – „dienet dem Herrn“ (Römer 12, 11) – „liebet eure Feinde“ (Matthäus 5, 44) – „vergeltet nicht Böses mit Bösem“ (Römer 12, 17) – „gastfrei zu sein, vergesset nicht“ Hebräer 13, 2) – „wohlzutun und mitzuteilen, vergesset nicht“ (Hebräer 13, 16) – „weide meine Schafe!“ (Johannes 21, 17). Der Dienst im Namen Jesu unter Einsatz der anvertrauten Gaben ist eine unbedingte Folge des rettenden Glaubens. Dieses Handeln wird im NT als Frucht oder Werk des Glaubens bezeichnet. Wer nicht wirkt, geht demnach verloren: „Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappen“ (Matthäus 25, 30). Im Gegensatz zu den Werken des Glaubens handelt es sich bei den Werken des Gesetzes (Galater 2, 16) oder den toten Werken (Hebräer 6, 1; Hebräer 9, 14) um die Werke dessen, der noch nicht glaubt. Auch hier gilt: Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch längst nicht dasselbe. Der Textzusammenhang von Jakobus 2, 24 (siehe obige Aussage b)) zeigt, dass der Glaube Abrahams konkrete Taten nach sich zog: Er war Gott gegenüber gehorsam, indem er aus seinem Vaterland auszog (1. Mose 12, 1-6) und bereit war, seinen Sohn Isaak zu opfern (Jakobus 2, 21). Ebenso ist das Werk der (ehemaligen) Hure Rahab (Jakobus 2, 25), nämlich die Rettung der israelischen Kundschafter in Kanaan, eine Folge ihres Gottesglaubens (Josua 2, 11). So wird hieran deutlich: Zum Glauben gehören untrennbar die Werke. Genau so wie der menschliche Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne die daraus folgenden Taten tot (Jakobus 2, 26). Die obigen Verse a) und b) bilden also keinen Widerspruch; wir haben es hier mit einem Fall komplementärer Aussagen zu tun, die sich ergänzen (siehe Auslegungsgrundsätze A3 und A14 im Anhang, Teil II). 

Prof. Dr. Werner Gitt

Ein Auszug aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage


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12.Woher kann ich wissen, dass es Gott überhaupt gibt?


Es gibt kein Volk und keinen Stamm auf dieser Erde, in dem die Menschen nicht in irgendeiner Form an einen Gott, einen Geist oder ein Wesen glauben, das über ihnen steht. Das gilt auch für die isoliertesten Urwaldstämme, die nie eine Berührung mit einer anderen Kultur und schon gar nicht mit dem Evangelium hatten. Wie kommt das? Wir haben alle die denkerische Fähigkeit, von den wunderbaren Werken der beobachtbaren Schöpfung auf den unsichtbaren Schöpfer zu schließen. Niemand glaubt, dass ein Auto, eine Uhr oder auch nur ein Knopf oder eine Büroklammer von selbst entstehen. Darum schreibt Paulus im Neuen Testament: „Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken, so dass sie keine Entschuldigung haben“ (Römer 1, 20). Aus der Schöpfung können wir allerdings nur erfahren, dass ein Gott existiert und auf seine Kraft und seinen Ideenreichtum schließen, nicht aber auf seine Wesensart (z. B. Liebe, Leben, Barmherzigkeit, Güte). Dazu ist uns die Bibel gegeben.


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